Wildobsthecke Teil 3: die Planung – Bestandsaufnahme oder was von alleine wächst

Eigentlich hatte ich ja vor, so schnell wie möglich die ersten Bäume zu pflanzen, damit die Lücke in der Hecke schnell wieder zuwächst. Aber erst dauerte die Planung länger und als ich dann mit der Planung zufrieden war, war es Mai und wurzelnackte Bäume waren schon nicht mehr zu haben. Und da der Preisunterschied zwischen einer wurzelnackten Kiefer und einer Containerpflanze riesig ist, habe ich die Pflanzung schweren Herzens auf den Herbst verschoben. Jetzt würde ich sagen, das war gut so. Denn so trocken wie dieser Sommer bis jetzt war, hätte es ein frisch gepflanzter Baum sehr schwer gehabt.

Da zeigt sich mal wieder, dass in der Permakultur die langsame Lösung häufig besser ist. So habe ich nämlich vor der finalen Planung noch Zeit für andere Schritte wie diesen hier:

Eine Bestandsaufnahme des bestehenden Bewuchses

Es heisst ja immer, das Pflanzen die sich selbst ausgesät haben, besser gedeihen, als vom Menschen gepflanzte. Einfach deswegen, weil sich diese den für sie passenden Standort ausgesucht haben und sich dort durchsetzen. Oder vielleicht liegt es an den passenden Bodenpilzen? Ich weiß es nicht, aber ich werde ein paar bestehende Pflanzen zumindest für eine Zeit in mein Design integrieren.

Im Frühjahr konnte man noch nicht viel von dem Bewuchs erkennen, aber jetzt im Juli ist die Ecke schon wieder erstaunlich stark zu gewuchert.

Standort der Wildobsthecke Anfang Mai

So sah die Lücke in der Hecke Anfang Mai aus: die Baumstümpfe sind noch deutlich zu sehen. Außer ein paar Holundern und ein paar kleinen Bäumchen am Rand ist nicht viel zu sehen.

Standort der Wildobsthecke Anfang Juli - ganz schön zugewuchert

Und so sieht die selbe Ecke jetzt aus: die Holunder sind schon um die 3 m hoch. Und der Boden, der eigentlich nur aus alten Fichtennadeln bestehen kann ist schon ganz gut bedeckt.

Ich bin also noch einmal mit der Kamera durch gegangen und habe geschaut was da wächst. Die meisten Pflanzen wuchsen natürlich schon vorher hier, aber erst durch das plötzliche Licht, Wasser und Nährstoffe die jetzt nicht mehr von den Fichten gebraucht werden, gab es diesen enormen Wachstumsschub.

Diverse Walnussbäume: leider am falschen Ort gepflanzt

Die Nachbarn haben einen Walnussbaum und bei uns wohnen die Eichhörnchen. Daher wachsen im ganzen Garten überall kleine Walnussbäumchen. Leider meistens da, wo ich sie nicht gebrauchen kann. Die Eichhörnchen verstecken die Nüsse nämlich am liebsten in der Nähe von hohen Bäumen und Gebüsch. Also immer am Rand des Gartens. Das macht für Nussbäume nicht so viel Sinn, denn ich will ja, dass die Nüsse später in meinen Garten fallen und nicht zu den Nachbarn.

Und gerade weil ein Walnussbaum sehr schnell ziemlich riesig wird, sollte der Standort gut gewählt sein. Außerdem habe ich gelesen, dass sich Walnussbäume schlecht mit Apfelbäumen vertragen. Sie sind auch bekannt für das Laub, das viele Pflanzen und junge Bäume am Wachstum hemmt. Und da ich gerne noch einen Birnenbaum in die Ecke pflanzen will, gehe ich lieber auf Nummer sicher und verzichte auf die bestehenden Walnussbäume.

Echte Walnuss - Juglans regia

Fazit: die Walnussbäume dürfen so lange weiter wachsen, bis sie stören, dann werden sie beseitigt und das Holz genutzt.

Eine Roteiche/Amerikanische Eiche

Ein ebenso schlechter Nachbar wäre wohl die Roteiche. Davon hat sich eine ausgesamt. Laut Wikipedia wird diese in Nadelwäldern gerne als Brandschutzriegel gepflanzt, da die Blätter säurehaltig sind und sich nur schwer zersetzen. So ergibt sich ein Streifen ohne Bodenvegetation. Nicht gerade das, was mir bei der Wildobsthecke vorschwebt…

Gewöhnliche Eberesche oder Vogelbeere - Sorbus aucuparia UND Roteiche/Amerikanische Eiche - Quercus rubra

Auf dem Foto Mitte-links im Bild mit den hübschen zackigen Blättern steht die Roteiche.
Fazit: die Roteiche kommt weg, da sie nicht zum Humusaufbau beiträgt.

Die Gewöhnliche Eberesche oder Vogelbeere: sehr willkommen

Das ist der andere Baum auf dem Foto mit den hübschen gefiederten Blättern. Dieser ist hoch willkommen. Das ist nämlich das ziemliche Gegenteil: das Laub zersetzt sich rasch, enthält viel Magnesium und trägt dadurch zur Humusbildung bei. Ein guter Düngerlieferant also. Dazu kommt, dass sie sich prima auf den Stock setzen, also zurück schneiden lässt. Damit ist die Eberesche das, was im Waldgarten als Opferbaum bezeichnet wird: dieser Baum wird geopfert um seine Nachbarn besser gedeihen zu lassen.

Fazit: die Eberesche darf noch eine Weile bleiben und Dünger für die Hecke und Holz für mich liefern. Vielleicht verwende ich sie auch als Futterbaum?

Eine (rote?) Johannisbeere

Johannisbeer-Sämlinge wachsen an etlichen Stellen im Garten. Allerdings auch immer unter Bäumen. Und weil es da ziemlich schattig ist, dauert es Jahre bis Früchte dran sind.

Ich lasse die Sträucher immer stehen, weil ich mir sage, mal abwarten welches die beste Sorte ist. Da gibt es ziemlich große Unterschiede: frühe oder späte Sorten, Rispen mit vielen Beeren oder wenigen, dicke Beeren oder kleine, etc. Die besten Sorten dürfen dann bleiben. Und bei Beeren ist es egal, ob sie am falschen Standort stehen, da sich bei denen leicht ein Absenker oder Steckling machen lässt.

Johannisbeere - Ribes

Fazit: der kräftige Johannisbeeren-Sämling darf bleiben und erst mal zeigen, was für Früchte es gibt.

Die Gemeine Hasel

Nein, wir brauchen keine weitere Hasel. Die Älteste ist riesig und hat sich bereits in alle Ecken des Gartens ausgesamt. Ich ernte schon fleissig die Äste als Mulch und als Futter für den Komposthaufen und natürlich das Holz, aber da kommt man nicht so schnell hinterher. Nüsse gibt’s leider keine. Da sind die Eichhörnchen immer schneller.

Also mein Bedarf an Haseln ist bereits gedeckt. Daher muss die Hasel zu Gunsten der Artenvielfalt weichen.

Gemeine Hasel - Corylus avellana

Fazit: So lange die Sträucher nicht im Weg stehen, dürfen sie bleiben und dann kommt die Säge…

Die Traubeneiche

Was macht man mit einer Eiche? Eigentlich ja schöne Bäume, aber sie wachsen so langsam. Eichen keimen bei uns auch überall. Sie fallen da in eine Kategorie mit den Walnüssen und den Haselnüssen (hm, alles Eichhörnchenfutter…).

Die Traubeneiche hat den Vorteil, dass sie prima wieder ausschlägt, wenn sie zurückgeschnitten wird. Außerdem bleiben die trockenen Blätter noch eine Weile am Baum hängen so dass sie auch im Winter ein guter Sichtschutz ist. Und natürlich liefert sie hervorragendes Holz und Eicheln.

Traubeneiche - Quercus petraea UND Gewöhnliche Mahonie - Berberis aquifolium

Fazit: Auch hier gilt: sie darf bleiben so lange sie nicht im Weg steht. Und vielleicht darf sich eine der vielen Eichen mal zu einem Baum entwickeln. Aber das ist dann eher etwas für die nächste Generation.

Die gewöhnliche Mahonie

Das sind die am Rand mit Dornen besetzten Blätter neben der Eiche. Leider ist die Mahonie eine invasive Art aus Nordamerika, die sich über Früchte und Wurzelausläufer stark vermehrt. Und da sie nebenbei noch stachelige Blätter hat, macht es auch keinen Spaß sie zu beseitigen.

Fazit: Die Mahonie wird beseitigt, wo sich sichtbar wird.

Der Bergahorn

Auch ein guter Baum für den Niederwald. Wächst schnell, kann geschnitten werden und ist gut für Insekten.

Bergahorn - Acer pseudoplatanus

Fazit: Wenn er nicht im Weg steht darf er bleiben.

Die Vogelkirsche

Was für eine Kirsche das genau wird sich noch zeigen. Denn bei Kirschensämlingen im Garten weiß man nie, ob es eine recht saure Vogelkirsche mit winzigen Früchten (Wildform) oder eine Süßkirsche (gezüchtete Form) aus Nachbars Garten ist.

Ich wollte keine Süßkirsche pflanzen, da diese seit einigen Jahren extrem unter der Kirschessigfliege leiden. Je nach Jahr sind bis zu 90% der geernteten Kirschen von Maden bewohnt. Außerdem kann die Fliege auch auf andere Obstarten oder Wein überspringen. Das Risiko muss ich nicht noch steigern.

Aber man muss der Evolution auch eine Chance lassen. Irgendwann wird es einen Baum geben der immun ist und vielleicht steht der ja zufällig in meinem Garten…

Vogelkirsche - Prunus avium mit Weißdorn im Hintergrund

Fazit: Mal abwarten, was für eine Kirsche das ist.

Der schwarze Holunder

Kommen wir nun zur dominierenden Art auf der Fläche: dem Holunder. Die meisten Exemplare waren kleine Sträucher und wurden komplett auf den Stock gesetzt, als die Baumfäller kamen. Jetzt sind sie schon wieder bis zu 3 m hohe üppige Stäucher. Ich habe schon ein paar Sträucher ausgedünnt und so meinen Komposthaufen mit frischem Grünzeug abgedeckt.

Schwarzer Holunder - Sambucus nigra

Fazit: Da der Holunder absolut schnittverträglich (man könnte auch sagen „nicht klein zu kriegen“) ist und diverse Vorteile, wie z.B. Beeren mitbringt, darf er bleiben. Aktuell begrünt er die kahle Stelle perfekt. Später wird er dann durch andere Arten ersetzt.

Die Eibe und der Ilex/Europäische Stechpalme

Eiben und Ilex werden überall von den Vögeln ausgesät. Ich bin ständig damit beschäftigt, die einjährigen Pflanzen auszureißen, damit es auch noch Eiben-freie Flecken gibt. Aber hier in der Wildobsthecke dürfen einige Exemplare bleiben. Und zwar die, die als immergrüner Sichtschutz am Gartenzaun stehen. Leider wachsen sie auch wieder ziemlich langsam, aber sie werden sich schon durchsetzen.

Europäische Eibe - Taxus baccata

Fazit: Als Sichtschutz am äußeren Rand des Gartens gern gesehen.

Europäische Stechpalme - Ilex aquifolium

Fazit: Der Ilex, zu deutsch Europäische Stechpalme, darf ebenfalls den Zaun begrünen und im Winter Vogelfutter und Sichtschutz bieten.

Die Pflaumen-Wildlinge

Bei den Nachbarn steht ein großer Pflaumenbaum am Zaun von diesem wachsen zahlreiche Wildlinge herüber. Da man nie weiß, auf was der Pflaumenbaum so veredelt wurde warte ich mal ab, bis Früchte dran hängen.

Kleine Anekdote zum Thema Pflaumen-Wildlinge

Meine Mutter hat die Wildlinge von unserem Pflaumenbaum immer radikal weggeschnitten. Dann hat sie einen übersehen der im Zaun zum Feld hin wuchs. Irgendwann blühte er und später wunderten wir uns über rote, kugelrunde, wohlschmeckende Früchte. Ein Biologe meinte, das wären Kirschpflaumen. Dieses herrliche Wildobst ist äußerst wüchsig und wird daher gerne als Unterlage für Pflaumenbäume verwendet. Und nebenbei ist die Marmelade ein Traum in leuchtend rot!

Pflaumen-Wildlinge

Fazit: erst mal abwarten, was da über den Zaun wächst. Abschneiden kann man es immer noch.

Krautige Pflanzen: Brennnessel und Schöllkraut

Am Zaun zum Fußweg hin wachsen große Brennesseln. Und um die Baumstümpfe herum große Mengen Schöllkraut. Beide gelten als Zeigerpflanzen für Stickstoff. Das ist nicht gerade das, was ich unter den Fichten erwartet hätte, aber ich kann damit leben 😉 Und die nachfolgenden Bäume werden sich bestimmt über den nährstoffreichen Boden freuen…

Große Brennnessel - Urtica dioica

Die Große Brennnessel ist eine Zeigerpflanze für Stickstoff. Sie wächst vor allem am Zaun wo die Hunde gerne einmal ihr Bein heben.

So, das war es im Großen und Ganzen. Eigentlich ganz spannend, was die Natur in so kurzer Zeit aus einer kahlen Fläche macht.

Ich werde mal ein paar Störenfriede beseitigen und für Lücken für die neuen Bäume sorgen.

Anhang zum Projekt #700Arten

Ich bin immer noch dabei, die Artenvielfalt in meinem Garten zu erheben. Mehr dazu findet ihr in diesem Artikel. Und da hier ja auch wieder einige Arten aufgeführt werden, füge ich diese meiner Liste hinzu.

  • Echte Walnuss – Juglans regia #56
  • Roteiche/Amerikanische Eiche – Quercus rubra #57
  • Gewöhnliche Eberesche oder Vogelbeere – Sorbus aucuparia #58
  • Gemeine Hasel – Corylus avellana #59
  • Traubeneiche – Quercus petraea #60
  • Gewöhnliche Mahonie – Berberis aquifolium #61
  • Bergahorn – Acer pseudoplatanus #62
  • Vogelkirsche – Prunus avium #63
  • Schwarzer Holunder – Sambucus nigra #64
  • Europäische Eibe – Taxus baccata #65
  • Große Brennnessel – Urtica dioica #66

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