Beete pflegen in Herbst und Winter – Versuche mit Wintergemüse, Mulch und Gründüngung

Leider sind es im letzten Jahr doch sehr viel weniger Beiträge auf diesem Blog geworden, als angedacht. Das lag neben dem Zeitmangel leider daran, dass mir jemand meinen Rechner geklaut hat und damit einige fast fertige Blog-Beiträge und meine ganze Gartenfoto-Sammlung. Da war die gute Laune dann erst mal dahin… Aber da man in Zeiten des Klimawandels ja eh nur mit Optimismus weiter kommt, versuche ich (mal wieder) mehr Beiträge zu schreiben und damit mehr Erfahrungen und Gedanken zur Permakultur und Ähnlichem zu teilen. Kommen wir also zum Thema:

Der Boden kennt keine Winterpause

Bei vielen Gärtnern ist es immer noch Standard, dass im Winter die Beete brach liegen und sich erholen können, bevor im Frühjahr die Arbeit wieder los geht. Ok, vielleicht stehen in einem Eckchen noch ein paar klassische Wintergemüse, wie z.B. Rosenkohl und warten auf die Ernte.

Diese Praxis entspricht allerdings nicht mehr ganz dem Stand der Wissenschaft. Auch wenn im Winter auf Grund des Lichtmangels kaum etwas wächst, ist der Boden äußerst lebendig. Von wegen Winterpause. Regenwürmer machen z.B. eher eine Sommerpause als eine Winterpause. Wenn ihr euch also eurem Boden und dem Humusaufbau widmen wollt, ist im Herbst genau die richtige Zeit.

Warum ist der Boden im Winter so aktiv?

Der Boden ist ja der Schlüssel zur Bodenfruchtbarkeit. Also all die vielen kleinen Tierchen, Pilze und Bakterien, die in einem Teelöffel Gartenerde leben, verleihen diesem seine tollen Eigenschaften, wie z.B. die Fähigkeit Wasser zu speichern oder den Pflanzen Nährstoffe zur Verfügung zu stellen.

Und diese winzig kleinen Wesen können es sich nicht leisten den Winter zu verschlafen. Gerade für die Regenwürmer, die totes, pflanzliches Material in ihren Gängen unter die Erde ziehen, ist ab dem Herbst, wo das Laub herunter fällt, Hochsaison. Ein reich gedeckter Tisch. Und die Regenwürmer bilden gerade einmal den Anfang einer Nahrungskette von unzähligen Bakterien und Zersetzern. All diese Lebewesen wollen auch im Winter versorgt werden. Im Sommer ist es ihnen schlicht zu warm und zu trocken. Kein Regenwurm arbeitet bei 30°C im Schatten. Die scheinen irgendwie schlauer zu sein als so einige Menschen 😉

Dann wären da noch die Pilze, die häufig in Symbiose mit den Pflanzenwurzeln leben und ein spannendes Tauschgeschäft machen: Zucker, den die Pflanze mit Hilfe des Sonnenlichts produziert, tauscht sie an ihren Wurzeln gegen Wasser und Nährstoffe, die der Pilz mit seinem langen Pilzgeflecht transportiert und bereit stellt. Dieses Netzwerk muss auch im Winter versorgt und in Stand gehalten werden. Und natürlich weiß jeder, Pilze wachsen besonders gut im Herbst, da es dann so schön feucht ist.

Wie sollte der Boden im Winter behandelt werden?

1. Kein unbedeckter Boden

In der Natur gibt es keinen unbedeckten Boden. Sobald irgendwo die Bodendecke fehlt, kommen sofort Pioniergewächse und versuchen den Boden zu bedecken. Wir kennen viele dieser Pioniergewächse unter dem Namen „Unkraut“. Denn schließlich wachsen sie besonders gerne neben unseren sorgsam gesäten oder ausgepflanzten Gemüsen. Erst wenn das Gemüse größer und kräftiger ist, kann es das Unkraut unterdrücken.

Also wenn wir im Winter den Boden brach liegen lassen freut sich das Unkraut und macht seinen Job: die Gelegenheit nutzen die sich da gerade bietet um sich noch schnell auszusamen. Wenn wir das vermeiden wollen, muss der Boden bedeckt sein. Oder wir lassen das Unkraut seinen Job machen und freuen uns zumindest im Winter, dass es das Bodenleben mit Wurzelausscheidungen versorgt.

2. Womit bedecken?

Der Herbst liefert die Bedeckung gleich zur richtigen Jahreszeit: Laub. Und damit es nicht weg fliegt, können noch ein paar Äste oder Stöcke drauf.

10 cm Laubmulch auf dem Gemüsebeet Ende November

Ich kehre auf meiner Wiese die Blätter vom Haselnussbaum zusammen, und schmeisse sie auf die Gemüsebeete. Das ist wieder einer dieser schönen Synergieeffekte: damit aus der Wiese eine blühende Magerwiese wird, entferne ich die Nährstoffe und bringe sie in den Gemüsegarten, der nicht genug Nährstoffe bekommen kann. So sieht ein frisch gemischtes Beet Ende November aus.

Das Laub ist ein wunderbares Regenwurmfutter und wird auch gerne von Pilzen zersetzt. Damit steht es am Anfang einer langen Nahrungskette im Boden.

Ich packe eine 10-15 cm dicke Schicht nasses Laub auf die Beete. Wenn ich die auf der Wiese mit dem Rasenbesen auffege, sind da auch immer noch Regenwurmhaufen, Gras und Moos mit drin. Eine prima Düngermischung. Im nächsten Frühjahr ist die Schicht höchsten noch 1 cm hoch und löchrig. Da Drunter befindet sich ein wunderbar krümeliger Gartenboden ohne Unkraut. Leider reicht das Laub der riesigen Hasel nur für wenige Beete.

Außer mit Laub könnt ihr auch mit Zweigschnitt oder Heu mulchen. Allerdings ist dieses Material im Frühjahr noch nicht ganz zersetzt. Macht aber nichts: da wo ich pflanzen will, ziehe ich den Mulch beiseite und wenn die Pflanzen größer sind, kann der Mulch wieder näher rücken.

Nachdem die Kartoffeln Anfang Oktober ausgegraben waren, wurde der restliche Mulch, Unkraut und eine Schicht Rasenschnitt drauf gepackt

Das hier war ein kleines Kartoffel-Mulch-Beet. Nach der Ernte hab ich den restlichen Mulch direkt wieder drauf gelegt und noch mit Rasenschnitt und Unkraut ergänzt.

3. Noch besser: Gründüngung

Wer seinem Boden noch mehr Gutes tun will, sät im Spätsommer oder Herbst eine Gründüngung.

Es gibt Gründüngung die abfriert, wie z.B. Senf. Die abgefrorenen Pflanzen bilden dann die Mulchschicht und bedecken und füttern den Boden.

Dann gibt es auch noch Gründüngung, die winterhart ist, wie z.B. Wintergetreide. Diese durchwurzeln den Boden sehr gut und bedecken ihn auch im Winter. Daher ist dies auch ein Standard in der Landwirtschaft. Der Vorteil bei lebenden Pflanzen sind die lebenden Wurzeln im Boden. Diese geben auch wieder Substanzen an die Bodenlebewesen ab und füttern diese so.

3 Reihen Winterweizen als Gründüngung für den Winter

Bei einem Spaziergang hat mein Sohn Weizenkörner auf einem Feldweg gefunden. Die habe ich im September wieder ausgesät. So sieht der Weizen dann Ende November aus.

Perfekt: Die essbare Gründüngung

Ich hatte ja mal mit der Saatgutgewinnung von Feldsalat angefangen. Das ist ziemlich einfach und innerhalb kürzester Zeit hat man mehr Saatgut, als gebraucht wird. Und da Feldsalat eine der wenigen Pflanzen ist, die auch im Winter noch wächst, habe ich ihn auf einigen unbedeckten Beeten ausgesät.

Genauer gesagt, ich bin mit dem Saatgutgläschen im Herbst durch den Garten gegangen und habe überall dort, wo nackte Erde zu sehen war Feldsalat ausgestreut. Ich habe nämlich festgestellt, dass es bei Feldsalat völlig ausreichend ist, diesen auf die Erde zu streuen. So macht das die Natur ja auch. Beim Rillen ziehen und schön mit Abstand aussäen hatte ich häufiger das Problem, dass nicht alle Pflanzen aufgegangen sind, weil sie wahrscheinlich zu tief gesät wurden.

Feldsalat als essbare Gründüngung und dazwischen Phacelia

So sieht ein zugegebener Maßen zu dicht ausgesätes Feldsalatbeet Anfang Februar aus. Dieser Feldsalat bring nicht so viel Ertrag, wie beim üblichen Anbau. Die Pflanzen bleiben ziemlich klein, aber da wo sie viel zu dicht stehen, kann ich bis zum Mai immer wieder knackfrischen Salat ernten. Oder im Vorbeigehen naschen.

Ein weiterer Pluspunkt von Feldsalat: er ist Fruchtfolge-neutral. D.h. man muss nicht drauf achten, was vor oder nach dem Feldsalat gesät wird.

Auf der anderen Hälfte des Beets hatte ich Spinat gesät, aber der wird bei mir irgendwie nie was. Steht wohl ganz oben auf der Speisekarte für Nacktschnecken. Also kam da später auch Feldsalat drauf. Mit dem Aussaatzeitpunkt nehme ich es nicht so genau. Irgendwann zwischen August und Ende Oktober passt schon. Die einen Pflanzen sind dann eher im Herbst erntereif und die anderen halt im Frühjahr.

4. Wintergemüseanbau

Es gibt zahlreiche Wintergemüse die gerade in milden Gebieten, wie hier in der Nähe des Rheins prima gedeihen. Und das sind nicht nur Kohl und Wurzeln. Wolfgang Palme aus Österreich hat ein tolles Buch zum Thema geschrieben mit zahlreichen Wintergemüsen, die ich noch ausprobieren will. Leider muss man dann meist schon im Sommer mit der Aussaat anfangen, und dann sind die Beete häufig noch belegt.

Es ist z.B. problemlos möglich den ganzen Winter über frischen Salat zu ernten. Aber Salat ist nicht so meins. Da reicht mir ab und zu eine Mahlzeit. Also säe ich im Sommer Zuckerhut-Salat aus. Das ist eine Endivienart die recht winterhart ist.

Die Köpfe bleiben bei mir immer ziemlich klein. Dieses Jahr sind sie besonders winzig. Woran das wohl liegen kann? Ich ernte einfach immer die größten und der Rest darf bis in den Frühling weiter wachsen. Nur bei Wühlmäusen muss man aufpassen. Die mögen zumindest die Wurzeln ganz gerne.

Laubmulch auf dem Gemüsebeet, beschwert mit Ästen. In der Mitte steht Hirschhornwegerich als Wintersalat

Das hier ist Hirschhornwegerich, den ich im Frühjahr gepflanzt hatte. Er macht sich ganz gut gemischt mit anderen Salaten und sieht einfach toll aus. Wie kleine Geweihe. Aktuell sieht er etwas gerupft aus, da ich schon fleissig genascht habe.

Auch Brokkoli wächst den Winter über weiter. Beim normalen Brokkoli reicht es die Blume zu ernten und die Pflanze einfach stehen zu lassen. Dann wachsen den ganzen Winter und Frühling über Seitentriebe, die als kleine, zarte Sprossenbrokkoli geerntet werden können. Alle paar Wochen kann ich eine ordentliche Portion ernten. So produziert eine Brokkolipflanze den Winter über wahrscheinlich mehr Ertrag als die eine Blume im Sommer.

Wer also ein paar Beete für Wintergemüse reserviert, füttert nicht nur sein Bodenleben sondern auch seine Familie und sich selbst 🙂

So, ich hoffe das waren genug Anregungen, wie ihr eure Beete für die kalte Jahreszeit vorbereiten und nutzen könnt. Hauptsache der Boden ist bedeckt. Und je lebendiger die Decke ist, desto besser!

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