Der natürliche Waldgarten

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Kennt ihr das: ihr habt etwas gefühlt schon tausendmal angesehen und auf ein Mal fällt es euch wie Schuppen von den Augen: ihr seht etwas das zwar immer schon da war, aber ihr habt es einfach nicht erkannt.

So einen Moment hatte ich letze Woche, als ich unter meinem Haselnussbaum stand. Jahre lang habe ich mich im Kopf mit der Planung meines Waldgartens beschäftigt und dann stehe ich hier im Garten und stelle fest: da ist ja schon ein Waldgarten. Einer, der sich von ganz alleine gebildet hat. Sozusagen der „natürliche Waldgarten“.

Aber ich fang am besten von vorne an. Bei meinem Haselnussbaum (ja, es ist ein Strauch, aber bei ca. 10 m Kronenradius finde ich den Begriff „Baum“ auch ganz passend). Der bildet als Solitärgewächs die Baumschicht. Früher hat der Vorbesitzer des Gartens hier Rasen gemäht, aber seit mindestens 2 Jahren ist die Ecke mehr oder weniger sich selbst überlassen. Da mir die Wald-Atmosphäre gefiel habe ich einfach nur ein paar Gewächse entfernt, von denen es einfach schon genug im Garten gibt: Sämlinge von Eiben, Kirschlorbeer und Ilex und natürlich Brombeeren.

Kommen wir zur Strauchschicht. Unter dem Baum säten sich also ein paar Sträucher aus. Vor allem Johannisbeeren. Gut, dachte ich mir. Lass die mal stehen. Vielleicht hängt da ja irgendwann mal was dran.

Bei genauerem Hinsehen entpuppte sich sogar einer der Sträucher als Stachelbeere. Brombeeren wuchsen da wie gesagt auch, aber da ich gerade erst mühsam ein paar Quadratmeter Brombeergestrüpp neben der Hasel entfernt hatte, wurden die gleich mit beseitigt.

Und was war jetzt meine Entdeckung? Genau. Eine Krautschicht war auch da. In direkter Nähe zu den Sträuchern. Da wuchs nämlich der Bärlauch und vermehrte sich fleissig.

Ich hatte also einen aus 3 Schichten bestehenden Waldgarten entdeckt. Genau so, wie es in der Theorie beschrieben ist und das auch noch in essbar.

Aber warum haben sich all diese Gewächse ausgerechnet hier angesiedelt und nicht woanders im Garten? Die Johannisbeeren, die ich kenne, wachsen auch prima an sonnigen Standorten. Und unter der Hasel ist es schon ziemlich schattig. Die anderen Johannisbeersämlinge in meinem Garten wachsen alle in der Randzone vom Waldbereich, immer nah an den Bäumen und nie in der Wiese. Meine Theorie dazu ist folgende: Beerensträucher verbreiten sich in erster Linie durch Vögel, die die Beeren bei den Nachbarn stibitzen und dann irgendwo anders ihr Geschäft verrichten. Nun, die schönen, horizontalen Äste der Hasel sind wohl besonders einladend für Vögel, eine perfekte Sitzstange eben. Und da drunter bildet sich dann eben eine nette Sammlung an Beerensträuchern.

Und der Bärlauch hat sich hier angesiedelt, weil hier einfach der typische Lebensraum für ihn herrscht: Waldboden in schattiger Lage, ohne allzu viele Störungen. Da es in den umliegenden Gärten große Mengen an Bärlauch gibt war das nur eine Frage der Zeit. Dem kann man quasi beim Vermehren zusehen.

Bärlach in voller Blüte mit Johannisbeere im Hintergrund

Hier ist der Bärlauch mit Samen zu sehen. Dahinter eine ganze Reihe an Johannisbeeren und vorne rechts die Stachelbeere.

Ich werde diesen kleinen Waldgarten also weiterhin im Auge behalten und berichten, wie er sich entwickelt. Mal schauen, was ich von diesem natürlichen Waldgarten für meinen noch lernen kann.

Wer jetzt denkt, hey da sind doch auch noch Walderdbeeren auf dem Foto, den muss ich leider enttäuschen. Große Teile meines Gartens werden von der Scheinerdbeere, oder auch indische Scheinerdbeere überwuchert. Die sehen einer Walderdbeere ähnlich und haben vergleichsweise große Früchte, aber die sind äußerst geschmacklos und fad. Leider haben die echten Walderdbeeren, da wo die Scheinerdbeere wächst keine Chance. Die werden einfach verdrängt. Die Art wurde wohl als Zierpflanze und Bodendecker eingeführt und fängt langsam an invasiv zu wirken. Bei Zeiten werde ich ihr wohl den Kampf ansagen.

Indische Scheinerdbeere mit Blüte und Früchten

Indische Scheinerdbeere mit Blüte und Früchten

wuchernde indische Scheinerdbeere

Indische Scheinerdbeeren als Bodendecker unter der Hasel

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