Mein neues Frühbeet: Erfahrungen mit Frühkulturen und Jungpflanzen-Anzucht

Letzen Sommer bekam ich ein ausgemustertes Frühbeet mit Glasscheiben geschenkt. Das traf sich prima, denn ein Frühbeet kann man immer gebrauchen.

Was ist ein Frühbeet?

Als Frühbeet wird in der Regel ein unbeheiztes Gewächshaus bezeichnet. Dabei ist „Haus“ meistens übertrieben. Die Meisten Frühbeete sind Glas- oder Kunststoffkästen, die über Beete gestellt werden. Bei einigen ist auch nur ein Kasten aus z.B. Holzbrettern über ein Beet gestellt und oben drauf liegt schräg zur Sonne eine Glasplatte auf.

Frühbeet mit Glasscheiben im Herbst

So sieht es aus. Etwas wackelig und verzogen, aber es funktioniert noch. Einfache Glasscheiben mit Aluprofilen. Das Frühbeet ist bestimmt schon 30 Jahre alt.

Frühbeet für geschützte Aufzucht von Spätkulturen

Im Sommer kann man ein so flaches Frühbeet nicht gebrauchen. Die Pflanzen sind dann einfach schon zu groß, oder brauchen nicht die zusätzliche Wärme, die es bietet. Aber im Herbst habe ich es auf ein weitestgehend leeres Beet gestellt und mit ersten Aussaaten experimentiert. Überwiegend erfolglos.

Herbstliche Aussaat im Frühbeet - Rucola, Salat, Feldsalat, Frühlingszwiebeln, Radieschen, Mairübchen

Auf dem Beet wuchs noch links ein Porree und ein kleiner Mangold und rechts ein Zuckerhut-Salat und eine Cocomeri oder Gurkenmelone. Die Cocomeri ist letztes Jahr leider zu spät ans wachsen gekommen und dann trotz Frühbeet nicht mehr ausgereift.

Dazwischen ausgesät habe ich:

  • Frühlingszwiebeln: hat nicht funktioniert (wohl zu altes Saatgut)
  • Feldsalat: hat nicht funktioniert (wohl zu altes Saatgut)
  • Hirschhorn-Wegerich: hat nicht funktioniert
  • Salat-Mix: möglicherweise sind 2 Pflänzchen jetzt im Frühling gekeimt. Hat also auch nicht funktioniert
  • Radieschen: hier keimten ein paar winzige Pflänzchen, die aber im Winter das wachsen einstellten. Immerhin konnte ich jetzt im Frühjahr dann doch noch 2 Radieschen ernten. Das Erste sah so schön aus, dass mein Sohn es unbedingt probieren wollte. Und siehe da: es schmeckte! Seit dem bin ich nicht mehr der einzige in der Familie der Radieschen isst 🙂 Die anderen Radieschen fingen leider gleich an zu schiessen.
  • Rucola: auch sehr dürftig. Es kamen ein paar Blättchen für einen Frühlingssalat zusammen.

Insgesamt habe ich wohl zu lange mit dem Aussähen gewartet, so dass die Pflanzen nicht mehr ans Wachsen kamen. Mitte September war wohl leider schon zu spät.

Frühbeet zur Verfrühung von Kulturen

Nachdem ja noch reichlich Platz im Frühbeet war, habe ich zeitig im Frühjahr wieder zum Samentütchen gegriffen. Wieder mit mäßigem Erfolg: In 2 Reihen Spinat sind nur 2 Pflänzchen aufgegangen. Wundert mich irgendwie nicht: Spinat scheint bei mir überhaupt nicht zu klappen. Der Salat ließ sich wieder nicht sehen. Aber immerhin sind ein paar neue Mangold-Pflänzchen stark verspätet aufgelaufen.

Mein 2. Experiment waren vorgezogene Salatpflänzchen. 6 Stück habe ich ins Frühbeet gesetzt und die restlichen 4 ins leere Tomatenbeet. Die Salätchen waren noch recht klein, ca. 5 cm lange Blättchen. Und siehe da: die im Frühbeet haben sich prächtig entwickelt, während die im Freiland nach ein paar Tagen angefressen oder vertrocknet waren.

Salat der im Frühbeet vorgezogen wurde

Das sind die prachtvollen Salate. Zum anbeissen nicht wahr? Aber die werden noch größer… Erstaunlicher Weise hat keine Schnecke sie angerührt. Ich hätte gedacht, dass die feucht-warme Luft im Frühbeet die Schnecken einlädt, aber wahrscheinlich war es da einfach zu heiss.

Ich hatte die Salate extra an eine Seite gepflanzt, damit ich das Frühbeet so verschieben kann, dass sie im Freiland weiter wachsen können, wenn sie stark genug sind. Ich glaube der Porree und der Mangold waren auch sehr glücklich aus den beengten Räumlichkeiten zu entkommen 😉 Das ist übrigens der Mangold vom 2. Foto oben. Und wir haben schon mehrfach geerntet!

Frühbeet für die Jungpflanzenanzucht

Das ist der eigentliche Zweck des Frühbeets: hier können die Tomaten abhärten und bekommen genug Licht um nicht zu geil zu werden. (Für die, die es nicht wissen: „geil“ bezeichnet auch eine Pflanze die aus Lichtmangel einen sehr langen Stiel bildet).

Vorher hatte ich die Jungpflanzen immer im unbeheizten Windfang vor der Haustür, aber da ist der Platz sehr begrenzt und ich hatte schon überlegt, wie ich die Pflanzen am besten stapeln kann. Jetzt kommen sie aus der Wohnung in den Windfang und nach 2-3 Tagen Eingewöhnung an mehr Licht und nächtliche Kälte ziehen sie dann ins Frühbeet um.

Jungpflanzen und Salat im Frühbeet am 19. April

Die ersten Tomaten und Paprika sind angekommen. Dazu sind hier Kohlpflänzchen und Strauchbasilikum geparkt.

Vorsicht vor Frost und Überhitzung!

Was wirklich Disziplin verlangt ist das Lüften des Frühbeets. Sobald die Sonne für ein paar Stunden drauf steht, kommt es zu einem ordentlichen Hitzestau. Daher versuche ich es bei Sonnenschein immer am Vormittag zu öffnen. Und öffnen heisst immer: Scheiben zur Hälfte bei Seite schieben und ca. 12 cm hochklappen. Abends gieße ich dann noch mal alle Pflanzen und schließe die Scheiben. Allerdings bleibt immer ein Spalt offen, falls ich am nächsten Morgen das Öffnen vergesse.

Frost war bisher kein Problem, was aber eher an unserem milden Wetter liegt. Die Pflanzen standen höchstens mal für 2-3 Stunden bei -1°C im Frühbeet. Das hat ihnen nicht geschadet. So schnell kühlt es nicht aus.

Frostschutz vor den Eisheiligen

Da das Wetter in den nächsten 2 Wochen recht warm werden soll (also ich meine vor allem die Nachttemperaturen), habe ich mich entschlossen, schon die ersten Kürbis- und Gurkengewächse auszupflanzen. Normalerweise warte ich damit bis zu den Eisheiligen Mitte Mai.

Ich habe das Frühbeet also um etwa eine halbe Länge nach rechts gezogen, so dass die Salate im Freien stehen. Das Beet links war leer bis auf ein paar Knoblauchpflanzen und selbst ausgesäte Vergissmeinnnich.

Linke Seite - Paprika, Tomaten, Auberginen, Mangold und Schlangenzucchini Serpente di Sicilia

Links habe ich eine Schlangenzucchini Serpente di Sicilia eingepflanzt. Das ist ein kletternder Flaschenkürbis, dessen Früchte wie Zucchini schmecken sollen. Drum herum stehen die Paprika, Tomaten und Auberginen und ein paar Mangold-Babies. Eigentlich sollte die Schlangenzucchini in ein anderes Beet, aber die Pflanzen waren schon so riesig!

Rechte Seite - Tomaten, Knoblauch, Auberginen und Cocomeri oder Gurkenmelone

Rechte Seite: Hier steht jetzt die Cocomeri oder Gurkenmelone. Das ist eine Mischung aus Honigmelone und Gurke. Wir haben sie im Urlaub in Apulien kennen gelernt und da man sie hier nirgendwo kaufen kann versuche ich mich eben selbst im Anbau. In der Mitte der ehemalige Freilandknoblauch.

Frühbeet in der Sonne

Hier noch mal die ganze Ansicht. Hier sind die Scheiben noch ziemlich verdreckt, weil es wochenlang nicht geregnet hat und alles voller Pollen war. Seit gestern haben wir endlich wieder den gewohnten Dauerregen hier in Solingen auf dem Berg 🙂

Ich habe mein Frühbeet mittlerweile lieb gewonnen und werde weiter experimentieren.

Und wer ein Frühbeet jetzt immer noch für veraltete, nutzlose Technik hält (kommt schon mal vor bei Menschen mit beheiztem Treibhaus), dem sei dieser Artikel zum victorian pineapple pit empfohlen (leider nur auf englisch). Dort wird eine Technik aus dem viktorianischen Zeitalter (also etwa vor 200 Jahren) beschrieben, wie man mit Pferdeäpfeln und einem Frühbeet Ananas züchten kann. Irgendwann brauche ich das auch!!!

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