Für einen gesunden Boden – Experimente mit Mulch und ständiger Bodenbedeckung

Ich versuche meinen Boden möglichst schonend zu bearbeiten und das Bodenleben best möglichst zu fördern. Denn ein gesunder Boden sollte auch gesunde Pflanzen hervorbringen. Leider muss ich mich bei den gesunden und ertragreichen Pflanzen noch etwas gedulden.

Warum das Bodenleben so wichtig ist

Das Bodenleben sind nicht nur Regenwürmer sondern vor allem Unmengen an Pilzen, Bakterien und Kleinstlebewesen. Diese leben häufig in Symbiose mit den Pflanzen. Also in einer Partnerschaft die beiden Seiten Vorteile bietet. So betreibt die Pflanze Photosynthese um aus Sonnenlicht Zucker herzustellen. Diese Zucker werden teilweise in den Boden transportiert und dort an die Bodenlebewesen abgegeben. Dafür erhält die Pflanze von Diesen Stoffe, an die die Wurzeln nicht dran kommen, oder die die Pflanze in der vorhandenen Form nicht aufnehmen kann. Das kann z.B. Wasser sein oder Mineralien oder Mikronährstoffe.

Was das Bodenleben nicht mag

Zu häufiges Umgraben oder Pflügen stört das Bodenleben, denn die unterschiedlichen Erdschichten werden durcheinander gebracht, so dass sich z.B. die Bakterien auf einmal in einer ganz anderen Erdschicht mit viel mehr Sauerstoff oder UV-Licht befinden und sterben. Außerdem ist der Spaten ein Feind des Regenwurms. Jedes mal wenn ich mit dem Spaten arbeite, zerteile ich ein paar Regenwürmer. Daher benutze ich diesen trotz schweren Bodens fast nur zum Graben von Pflanzlöchern für Bäume und Sträucher.

Pilze mögen ebenfalls keine Bodenbearbeitung. Der eigentliche Pilz besteht ja aus einem Geflecht aus unterirdischen Pilzfäden, dem Mycel. Dieses feine Netz zerreisst bei der Bodenbearbeitung.

Sonnenschein führt zu Prozessen die den Humus im Boden zersetzen. Daher sollte Boden nie unbedeckt sein. Nackter Boden kommt in der Natur quasi nicht vor. Und ganz wichtig: Kompost sollte nie unbedeckt auf der Bodenoberfläche liegen, damit der Humus nicht vom Sonnenlicht zersetzt wird.

Starker Regen auf nacktem Boden führt zu einer Verschlämmung der obersten Bodenschicht. Bei unserem Lehmboden ist das gut zu erkennen, da sich oben eine steinharte Kruste bildet, wenn der Boden nicht bedeckt ist. Diese macht es dann den Sämlingen schwer durchzubrechen. Das könnte ein Grund sein, warum bestimmte Kulturen bei mir nie was werden.

Verschlämmter, verklebter Boden hier in einem Blumenkübel

Verschlämmter, verklebter Boden hier in einem Blumenkübel

Toter, unbedeckter Boden führt zu Bodenerosion durch Wind und Regen. Wenn der Boden nicht durchwurzelt ist, kann er leichter weg geweht oder -gespült werden. Hier im Garten ist das zwar kein Problem, da viele Bäume und Häuser Windschutz bieten, aber auf anderen Böden oder größeren Flächen sollte man die Bodenerosion nicht unterschätzen.

Naja, und Gift hat im Boden natürlich auch nichts zu suchen. Weder Herbizide (Pflanzengifte) noch Fungizide (gegen Pilze) noch Insektizide (gegen Insekten). Alle 3 Gruppen sind Teil der Nahrungskette. Wenn eine Gruppe fehlt, haben auch die anderen ein Problem.

Wie ich den Boden gut pflege

Bescheidene Bodenbearbeitung

Schritt 1 ist erst einmal weniger machen. Bedeutet:

Lass den Spaten liegen.

Wenn der Boden gelockert werden muss gibt es zwei Möglichkeiten: entweder die Grabgabel nehmen oder die Natur für sich arbeiten zu lassen.

Die Grabgabel kann gut in den Boden eingestochen werden. Dann ordentlich rütteln und wieder heraus ziehen. Ein paar Zentimeter weiter wiederholen.

Die Alternative sind z.B. tief wurzelnde Gründüngungen. Bei mir hat das bisher leider nicht geklappt. Für mein Spargelbeet habe ich Ölrettich und Lupinen ausgesät, aber beides wurde von den Schnecken weg gefressen. Bzw. der Ölrettich ist nach mehrmaligem Nachsäen gewachsen, aber sonderlich viel Wurzelmasse oder gar Pfahlwurzeln habe ich nicht gefunden.

Daher gehe ich wie folgt vor, wenn ich ein neues Beet anlege: die erste Kultur sind immer Kartoffeln im Mulchbeet. Das ist ganz einfach: Rasenfläche mit Karton abdecken, Löcher für die Kartoffeln rein schneiden, Kartoffeln rein und ordentlich mit Mulch bedecken. Immer wieder nach mulchen. Wenn die Kartoffeln abgetrocknet sind, wird geerntet, indem ich das Beet mit der Grabgabel durchwühle. Die nächsten Jahre wird nur noch oberflächlich gehackt.

Kartoffel-Mulch-Beet zur Beetbereitung mit Ernte

Hier wird ein Stück Wiese bzw. Rasen zu einem Beet und das ohne Spaten, aber dafür mit Geduld und Ernte.

Als fauler Gärtner spare ich mir meist die Arbeit ein Beet kräftig zu lockern. Aber wenn ich da irgendwo noch ein paar Kartoffeln vermute, ist meine Motivation den Boden zu durchwühlen sehr hoch 😉

Die Kartoffelernte war bei meinen bisherigen Versuchen immer sehr gering. Viel weniger als beim klassischen Kartoffelbeet. Aber dafür hatte ich danach ein fertiges Beet und musste die Kartoffeln im Sommer nicht gießen.

Ständige Bodenbedeckung

Wenn ein Beet abgeerntet ist, wird es abgedeckt. Im Herbst kehre ich meist das Laub, das auf den Rasen fällt, in die Gemüsebeete. Auch Rasenschnitt und zurück geschnittene Sträucher landen auf den Beeten, damit das Laub nicht so leicht weg fliegt. Das ist schon mal Futter für die Regenwürmer und es schützt den Boden vor Sonne und Regen.

Im Frühjahr ist ein Beet, auf dem vorher so 5-10 cm Laub lagen dann so gut wie leer. Denn die Regenwürmer haben die Blätter den Winter über unter die Erde gezogen und zu Wurmhumus gemacht. Danke, liebe Freunde!

Unterschied zwischen einem gemulchten Beet im Frühjahr und einem schon bearbeiteten Beet

Das Beet hinten ist noch nicht berarbeitet: der Rest des Laubmulches liegt drauf. Das Beet vorne wurde gerade gehackt und mit Kartoffeln bepflanzt und wird direkt danach wieder gemulcht.

Zum Säen wird der Restmulch einfach bei Seite gezogen und sobald die Jungpflänzchen ein paar Zentimeter groß sind, kommt wieder Mulch drum rum. So landet störendes Unkraut meist nicht auf dem Kompost sondern einfach ein Beet weiter als Mulch.

Frisch gepflanzte und gemulchte Tomaten

So sehen meine Tomaten nach dem Pflanzen aus: kaum zu finden in der dicken Mulchschicht! Aber dafür muss ich auch in extrem trockenen Sommern nicht gießen.

Kurz nach der Aussaat kann ein Beet dünn mit Rasenschnitt betreut werden. Später, wenn die Pflänzchen größer sind, eignen sich auch gröbere Materialien wie Heu, Stauden- und Zweigschnitt.

Allerdings merke ich schon, dass dieses extrem trockene Frühjahr eine Herausforderung ist: Rasenschnitt ist kaum vorhanden, da das Gras nicht wächst. Also habe ich angefangen alle möglichen Sträucher zu stutzen um genug Mulch zu haben. Bei Setzlingen kann man auch Strauchschnitt verwenden. Bei der Aussaat direkt im Beet ist das Material zu grob.

Alternative: Wuchernde Rankelpflanzen

Nachdem meine Gründüngung zur Bodenlockerung nicht richtig aufgegangen ist, dachte ich mir, ich nutze den Raum einfach um dort meine Kürbise wachsen zu lassen. Ein leeres Beet hat so immer noch eine Funktion und die Kürbisse standen nebenan im Nachbarbeet. Leider haben die Schnecken die Kürbisse ganz schön dezimiert. Rankende Kapuzinerkresse eignet sich auch gut um Flächen lebendig zu bedecken.

Ständige Durchwurzelung

Mulchen ist gut, aber es gibt noch etwas Besseres. Mit der Bedeckung füttere ich nur die Regenwürmer, also die Zersetzer. Aber das Bodenleben besteht ja noch aus viel mehr: die ganzen Pilze und Bakterien wollen auch was zu fressen haben. Daher sollte der Boden von lebendigen Wurzeln durchzogen sein. Und das zu jeder Jahreszeit!

Die einfachste Methode ist der Umgang mit Unkraut. Unkraut ist bei mir alles, was stört. Und so lange es nicht stört, darf es stehen bleiben. So ergibt sich an vielen Stellen automatisch eine Bodenbedeckung.

Ein brach liegendes Beet von Unkraut überwuchert als Bodenbedeckung

Dieses Beet wartet noch auf die Bepflanzung. Und so lange darf hier alles weiter wachsen als lebendiger Mulch und das Bodenleben versorgen. Das einzige Unkraut das ich konsequent bekämpfe ist die Ackerwinde.

Zusätzlich experimentiere ich mit verschiedenen Gründungungen. Das Schwierige dabei ist im Gemüsegarten die Mischkultur und Fruchtfolge. Viele Gründungungspflanzen sind Kreuzblütler oder Schmetterlingsblütler. Und damit sollten sie nicht vor oder nach Kohl, Erbsen und Bohnen kommen.

Wintergemüseanbau für die Bodendurchwurzlung über die kalte Jahreszeit

Wenn ein Beet rechtzeitig leer ist, kann Wintergemüse angebaut werden. Das Gemüse wächst dann im Herbst und überwintert im Beet. Einige wenige Sorten wachsen sogar im Winter noch weiter. An frostfreien Tagen kann so frisches Gemüse geerntet werden. Und das bis in den Frühling hinein.

Zuckerhut-Salat Mitte Dezember mit Feldsalat als Untersaat

Der Zuckerhut-Salat wurde im Juli vorgezogen und Anfang August ins Beet gepflanzt. Der größte Zuckerhut ist natürlich schon geerntet worden. Die anderen wachsen noch. Dazwischen habe ich Feldsalat gesetzt.

Vielfalt für Vielfalt

Gründüngung bedeutet nicht nur Klee aussäen. Eine gute Gründüngung besteht aus vielen verschiedenen Pflanzen. Denn auch das Bodenleben besteht aus vielen verschiedenen Organismen, die unterschiedliche Nährstoffe brauchen.

Und hier wird es langsam richtig kompliziert. Wie stelle ich einen passenden Mix zusammen? Das ist eine Wissenschaft für sich. Ich versuche einfach ein paar Kombinationen zu testen, die vielfältig zusammengestellt sind. Die Vielfalt liegt z.B. in unterschiedlichen Pflanzenfamilien zu denen die einzelnen Pflanzen gehören. Und in unterschiedlichen Wuchs- und Wurzelformen. Und in unterschiedlichen Funktionen. Hier ein Beispiel. Ob und wie gut das funktioniert werde ich später berichten.

Gründüngung auf dem Spargelbeet:

Gewünschte Funktion: niedrige Bodendecker, die das Beet beschatten, Mulch liefern und wenig Nährstoffe brauchen bzw. welche anbieten.

  • Rucola/Rauke (Kreuzblütler – schnelle Blattmassebildung/Bodenbedeckung – zur Ernte als Salat)
  • Phacelia/Bienenfreund (Raublattgewächse – Bienenweide – Grünmasse als Mulch)
  • Weißklee (Schmetterlingsblütler – dauerhafte Bodenbedeckung, Stickstofflieferant – wächst langsam an)
  • Buchweizen (Knöterichgewächse – schnelle Blattmasse – trockenheitstolerant)
  • Radieschen (Kreuzblütler – schnelle Blattmasse – Pfahlwurzel – Nebenernte) anscheinend habe ich mich beim Saatgut vergriffen: die Pflanzen sehen eher wie Ölrettich aus, der hier vorher schon auf dem Beet stand. Dabei hatte ich mich schon auf frische Radieschen gefreut 🙁
Gründüngung im Spargelbeet auf Rucola, Phacelia, Buchweizen, Weißklee und Ölrettich

Hier seht ihr die Gründungung Anfang Juni. Der Ölrettich und Buchweizen sind zu groß geworden und wurden abgeknipst und als Mulch auf das Beet geworfen. Rucola ist bis auf ein paar Pflanzen zur Saatgutgewinnung größtenteils geerntet worden. Also bleibt noch Phacelia und in deren Schatten der noch winzige Weißklee. (Die Mitte und der hinterer Rand wurden übrigens später ausgesäht als der Streifen vorne.)

Und das Ergebnis?

Vor 4 Jahren war mein Gemüsegarten noch eine Rasenfläche. Dieses Jahr habe ich mich stellenweise über lockeren, fein krümeligen Boden gefreut. Aber das hängt sehr vom Ort ab. Da wo vor 2 Jahren noch ein Weg war, ist der Boden noch merklich verdichtet. Da wo ein Kartoffel-Mulch-Beet war bessert sich der Boden merklich.

Um hier wirklich von Ergebnissen sprechen zu können, muss mehr Zeit vergehen. Gärtnern ist eben auch Geduldssache…

Ich hoffe ihr habt ein paar Anregungen mitgenommen.

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