Nachhaltige Strategien zur Schneckenabwehr – Grundsätze und Erfahrungen

Wer hier den ein oder anderen Artikel gelesen hat weiß, ich habe ein Schneckenproblem. Und zwar ein Gewaltiges. Dieses Jahr ist es etwas besser als letztes Jahr, was einfach am Wetter liegt, aber dennoch habe ich wieder einige Totalverluste zu beklagen.

Nachdem ich einiges ausprobiert habe, wollte ich meine Erkenntnisse mit euch teilen.

Grundsätze bei der Gartenplanung:

Wildwuchs = Verstecke für Schnecken vermeiden

Mein Gemüsegarten ist ja auf einem Rasenstück entstanden, wobei Wiese wohl passender ist als Rasen. Das Problem dabei: im hohen Gras fühlen sich die Schnecken richtig wohl und finden prima Verstecke vor der Tagessonne. Schneidet man das hohe Gras findet man sie, direkt neben den Beeten.

Ich hatte letztes Jahr Beete angelegt, die durch Graswege getrennt waren und um die herum auch Graswege verliefen. Das war keine gute Idee, da diese sich schwierig mähen ließen und im schnell wachsenden Gras und Unkraut machten die Schnecken genüsslich ihr Mittagsschläfchen bevor es zur Dämmerung dann ins nahe gelegene Beet zum Lunch ging.

Dieses Jahr habe ich ein größeres Beet ohne Grasweg in der Mitte und dort ist deutlich zu erkennen, dass die meisten Fraßschäden an den Pflanzen am Rand auftreten. Daher will ich die Graswege wieder entfernen.

Am Rand des Beetes sind die Kohlpflanzen besonders stark angefressen

Die beiden Kohlrabi neben dem mit Mulch bedeckten Kartoffelbeet (links) sind besonders stark angefressen. Ebenso die Brokkoli vor dem Gebüsch im Hintergrund. Und auch im Kartoffelbeet sieht man, dass zum Gebüsch hin die Pflanzen viel stärker angefressen sind.

Mulch nur für Schnecken-resistente Kulturen verwenden

Mulch ist ja prinzipiell total genial: er ist Dünger, hält die Erde feucht und unterdrückt Unkraut. Alles prima. Nur leider lockt er auch die Nacktschnecken an.

Daher kommt Mulch bei mir nur noch auf die Beete, wo relativ Schnecken-resistente Pflanzen wie z.B. Tomaten, Erbsen, Erdbeeren oder größere Zucchini und Kürbisse wachsen. Denn der Mulch lockt gerade wenn er recht frisch ist viele Schnecken an, die dann auch gerne einmal an den lebenden Pflanzen knabbern. So sind die unteren Blätter meiner Tomaten immer mit ein paar Schleimspuren versehen. Aber von den 15 Tomaten wurde nur eine ernsthaft angefressen (der Haupttrieb wurde abgebissen, aber sie hat sich wieder erholt).

Alle andern Beete halte ich bewusst frei, so das die nackte Erde zu sehen ist. Diese Technik ist vielleicht nicht so gut gegen Austrocknung (gerade jetzt in den heissen Tagen muss gelegentlich gegossen werden, was beim Mulch nicht der Fall ist) aber dafür besser gegen Schnecken.

Tomate mit dicker Mulchschicht

Den Tomaten schadet das Mulchen überhaupt nicht. Im Gegenteil: es erspart auch bei großer Hitze das Gießen

Voranzucht und Aussaat von Pflanzen

Die meisten Pflanzen werden ja gerade als Jungpflanzen besonders gern von Schnecken vernascht. Sind sie etwas älter oder größer ist die Pflanze auf einmal uninteressant.

Das habe ich z.B. bei meinem Pflücksalat festgestellt. Mein erstes Beet im Garten war ein Erdhügel (der zufällig beim Umpflanzen einer Rose entstand) den ich spontan mit unzähligen vorgezogenen Pflücksalat-Pflänzchen bepflanzt habe. Die 20-25 Salatpflanzen waren nach 1 1/2 Tagen verschwunden. Daraufhin habe ich die Jungpflanzen größer vorgezogen und mit Schneckenkragen geschützt ausgepflanzt. Als ich die Schneckenkragen später weg genommen habe, hat keine Schnecke mehr den Salat angerührt.

Von Nacktschnecken unberührter Pflücksalat

Obwohl der Pflücksalat mitten zwischen Mulch und Unkraut wächst geht keine Schnecke da dran. Einen Mizuma, den ich ein paar Zentimeter weiter gepflanzt habe fressen sie aber regelmäßig ab. Mittlerweile stehen nur noch die Strünke vom Pflücksalat und siehe da: die werden wieder angefressen.

Ein anderes Beispiel sind Stangenbohnen. Sobald diese hoch genug geklettert sind, kommen die Schnecken nicht mehr dran.

Andere Pflanzen werden direkt beim Auflaufen gefressen. Das ist mir mit Möhren und Rübchen passiert. Ich gehe durch den Garten und freue mich über die ersten Keimblätter in der Reihe und am nächsten Tag sind sie alle weg. Das sind die ganz kleinen Schnecken, die nur ein paar Millimeter groß sind. Gegen diese habe ich noch keinen Schutz gefunden.

Schneckenschutz wie Schneckenkragen, Sägemehl und Kakaoschalen: eher unterstützend anwenden

Schneckenkragen als Abwehr

Über meine Erfahrungen mit Schneckenkragen habe ich bereits berichtet. Das möchte ich noch etwas ergänzen: Der Schneckenkragen macht es der Schnecke schwerer an die Pflanze zu kommen, aber nicht unmöglich.

Frisch gekeimte Bohnen mit Schneckenfraß trotz Schneckenkragen

Alle Buschbohnen waren mit Schneckenkragen gesichert und trotzdem waren sie alle angefressen. Aber sie haben sich wieder erholt.

Auch bei Kürbissen und Zucchini schaffen es die Schnecken immer wieder über den Kragen, auch wenn weit und breit kein Unkraut zu sehen ist und nichts an den Kragen wuchert. Der Leckerbissen Jungkürbis ist wohl Anreiz genug für außergewöhnliche Schneckenakrobatik…

Streu wie Sägemehl, Kaffeesatz oder Kakaoschalen

Diese funktionieren einigermaßen, wenn sie trocken sind. Sobald sie aber nass werden, kommen die Schnecken rüber. Sägemehl habe ich wirklich dick auf dem Möhren- und Zwiebelbeet aufgetragen, trotzdem ist das Beet ein Totalverlust.

Schneckenbekämpfung mit Sägemehl und Sägespänen funktioniert nicht

So sah das Beet anfangs aus: da wo die Möhren gesät waren habe ich Sägemehl als breiten Streifen gestreut. Leider erfolglos. Erst wurden die Möhrensämlinge weg gefressen, dann haben sie die Zwiebeln in der Mitte entdeckt. Meine Schnecken lieben Zwiebeln und selbst als ich das ganze Beet flächendeckend mit Sägespänen bestreut hatte, haben sie weiter gefuttert bis kein Zwiebelgrün mehr da war.

Kakaoschalen habe ich dieses Jahr zum ersten Mal ausprobiert um Kürbisse, Zucchini und Stangenbohnen zu schützen. Und ich muss sagen, dass funktioniert auch nicht immer, aber besser als Sägemehl.

Nacktschnecke knabbert Kakaoschalen an, haut dann aber wieder ab

Diese Schnecke habe ich am Rand der frischen Kakaoschalen gefunden. Sie probiert offensichtlich gerade wie die schmecken. Ich habe sie extra mal in Ruhe gelassen und bin 5 Minuten später wieder gucken gekommen: die Nacktschnecke war wieder verschwunden und die frisch gekeimten Stangenbohnen waren unversehrt.

So, das waren meine bisherigen Erkenntnisse. Drücken wir einfach mal alle die Daumen, dass dieses Jahr kein Schneckenjahr wird!

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